Mikronährstoffe

Die mit der Ernährung aufgenommenen Mikronährstoffe sind nicht Energie liefernde Nahrungsbestandteile. Sie dienen auch im Gegensatz zu den Makronährstoffen (Kohlenhydrate, Proteine, Lipide) nicht dem Aufbau der Körperstruktur, sondern dienen dem Intermediärstoffwechsel als Cofaktoren oder Coenzymen bei der Ausführung wichtiger physiologischer Funktionen. Bei den Mikronährstoffen handelt es sich um Vitamine, die eine organische Struktur besitzen und den Mineralstoffen, die gelöst als Ionen oder an Proteine gebunden im Körper vorliegen.

dscn3782

Ursprünglich war man der Ansicht und daraus leitet sich die Wortbildung Vitamin ab, dass Vitamine biogene Amine sind (vita als das Leben bezeichnende und amin für den Stickstoff enthaltende), die essentiell für die Ausführung von Vitalfunktionen sind. Heute ist diese Ansicht überholt und es ist bekannt, dass Vitamine eine sehr heterogene Gruppe organischer Verbindungen darstellen. Zum einfachen Verständnis lassen sich die Vitamine nach ihrer Löslichkeit in fettlösliche Vitamine (Vitamin A, D, E und K) und in wasserlösliche Vitamine (Vitamin C, B1, B2, B6, B12, Niacin und Folsäure) einteilen.

Die Unterteilung der Mineralstoffe erfolgt nach ihrem Vorkommen im Körper. So gibt es die Mengenelemente (Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium und darunter die Nicht-Elemente Phosphor, Schwefel und Chlor), die in Mengen >50 mg pro Kilogramm Körpergewicht vorkommen. Und es gibt die Spurenelemente, die zu einer geringen Menge mit ≤50 mg pro Kilogramm Körpergewicht vorkommen (Arsen, Cobalt, Chrom, Kupfer, Fluor, Eisen, Iod, Mangan, Molybdän, Nickel, Selen, Silizium, Zink, Zinn, Vanadium und möglicherweise Blei).

Die Aufnahme der Vitamine wird durch verschiedene Faktoren beeinflusst, so spricht man von physiologischen Faktoren (Alter, Aktivität, Wachstum, Schwangerschaft und Stillzeit) und pathologischen Faktoren (Infektionen, Stress, gastrointestinale Erkrankungen, reduzierte Nährstoffreserven, genetische und metabolische Erkrankungen, Medikamente-Nahrungsmittel-Interaktionen). Wichtige physiologische Faktoren bei der Erfassung des Nährstoffbedarfs, sind der erhöhte Bedarf an Mikronährstoffen und Proteinen während des Wachstums und der Schwangerschaft. Während der Gesamtbedarf an Mikronährstoffen bei Säuglingen und Kleinstkindern deutlich unter dem der Erwachsenen liegt, ist der relative Bedarf pro Kilogramm Körpergewicht bei Heranwachsenden deutlich gegenüber der Erwachsenen erhöht. Weiterhin wird der Bedarf verschiedener Vitamine auch durch die Zusammensetzung der Nahrung beeinflusst. So erfordert eine Kohlenhydrat reiche Kost auch eine verbesserte Versorgung durch das Vitamin B1: für die Umsetzung von 1000 kcal Kohlenhydrate werden 0,5 mg Vitamin B1 benötigt. Äquivalent dazu wird für die Verwertung von 1 g Protein eine Menge von 20 μg Vitamin B6 nötig. Pathologische Faktoren sind Erkrankungen, die unmittelbar als Verdauungs- oder Absorptionsstörungen auftreten oder sich durch Immunerkrankungen (AIDS, Krebs) oder chronische Entzündungen (Arthritidien, Morbus Chron) äußern und ernährungsphysiologische Prozesse beeinflussen. Bei den Umweltfaktoren sind vornehmlich das selbstverschuldete Tabakrauchen und der Alkoholmissbrauch zu nennen. So erhöht der Tabakkonsum den Bedarf an Vitamin C, Vitamin A und Vitamin E und der übermäßige Alkoholkonsum den von Vitamin E, B1, B2, C und Folsäure. Auch die Einnahme von oralen Kontrazeptiva nimmt Einfluss auf die Aufnahme wichtiger B-Vitamine (dazu gehören die Vitamine B1, B2, B6, B12 und auch Niacin und Folsäure).

Bei den Mineralstoffen ist die Aufnahme mit exogene und endogene Faktoren gekoppelt. Zu den exogenen Faktoren zählt einmal die Bindungsform der Mineralstoffe. So wird an Häm gebundenes Eisen vom Körper besser aufgenommen als freies Eisen. Auch nehmen Zusammensetzung der Nahrung und deren Passagezeit im Darm entscheidenden Einfluss auf die Aufnahmeraten der Mineralstoffe. Ballaststoffreiche Ernährung führt zu verkürzten Passagezeiten und damit verminderter Aufnahmefähigkeit. Die in der Nahrung enthaltenen Komplexbildner, wie Oxalsäure, Phytinsäure und auch Flavonoide gehen spezielle Bindungen mit diversen Mineralstoffen ein und entziehen diese so dem Absorptionsvorgang im Verdauungstrakt. Desweiteren sind bei der Aufnahme von Mineralstoffen endogene Faktoren zu beachten. So spielt das pH-Verhältnis im Magen eine Rolle bei der Eisenaufnahme, wobei ein schwacher Säuregrad des Magens zu einer verminderten Eisenaufnahme führt. Weiter lassen sich gegenseitige Beeinflussungen der Mineralstoffe beobachten. Eine hohe Zinkaufnahme hemmt bei zeitgleicher Zufuhr die Aufnahme von Eisen und Kupfer, hohe Calciummengen hemmen die Zinkabsorption und die Aufnahme von Nickel begünstigt die Absorption von Eisen. Auch können andere Nahrungsbestandteile einen Einfluss auf die Absorption der Mineralstoffe nehmen, so fördert Vitamin C die Aufnahme von Eisen.


Elmadfa: Ernährungslehre. 2. Auflage. Stuttgart : Eugen Ulmer GmbH & Co., 2009.

Belitz; Grosch; Schieberle (Hrsg.): Lehrbuch der Lebensmittelchemie. 5. Auflage. Berlin/Heidelberg/New York: Springer Verlag, 2001.

Haller; Grune; Rimbach (Hrsg.): Biofunktionalität der Lebensmittelinhaltsstoffe. 1. Auflage. Berlin/Heidelberg: Springer Verlag, 2013.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s