Des Teufels Kräuterbuch

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Des Teufels Kräuterbuch – erhellende und für den romantischen Pflanzenfreund zum Teil auch ernüchternde Lektüre über die geheimnisvolle und verstörende Pflanzenwelt. Hier entblößen sich die Pflanzen ganz hemmungslos und von allen Schatten befreit geben sie sich frivol dem Betrachter hin. Doch seid gewarnt, wie schon Georg Friedrich Lichtenberg über die Bücher sprach, so gelte dies auch für des Teufels Kräuterbuch. „Ein Buch ist ein Spiegel: wenn ein Affe hineinguckt, so kann freilich kein Apostel hinaussehen.“ Aber keine Scheu nun beim Stöbern und so auch in sanfteren Tönen. Dieses Buch ist im halkyonischen Stil geschrieben und wünscht sich einen Leser, der dazu fähig ist, das Wahre mit dem Herzen zu lesen. Sofern ihr die glücklichen Besitzer eines solchen seid.

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A

Alraune

Die Alraune, eine Zauberpflanze. Äußerst selten anzutreffen. Und das in den frühesten Frühzeiten schon. Heute finden sie nur noch die kundigsten aller kundigen Kräuterkundigen. Die Alraune umschweift ein sinisterer Hauch, und man möchte nur allzu gerne davon ausgehen, sie sei der aller tiefsten Finsternis entsprungen.

Die alten Magier hüteten sich davor die Wurzel ohne die nötige List aus dem Boden zu zerren. Denn sie sonst der todbringende Schrei der Alraune treffen würde. Stattdessen ging man wie folgt vor: man befreite die Wurzel vorsichtig von der oberen Erdschicht, band das eine Ende einer Schnur an die Wurzel und das andere Ende an den Schwanz eines Hundes. Der Hund wusste um seine Gefahr, ließ sich aber mit einem Stück Fleisch oder einer Wurst recht einfach in sein Verderben locken.

Der Sicherheit wegen verstopften sich die Magier noch die Ohren oder bliesen zeitgleich in ein lautes Horn. Finden konnte man die Alraune zumeist unter dem Galgen. So schmiegte sich das gemeine Volk eng an die Mutmaßung, dass die Pflanze aus dem Samenerguss eines Gehenkten wachse. (»Reg.)


Ameise

Ausdauerndes Geschöpf. Kann das mehrfache seines eigenen Körpergewichts tragen. Weltweit gibt es wohl mehr als 5’000’000’000’000’000’000’000 (5 Trilliarden) Exemplare und wiegen damit mehr als alle Menschen zusammen.Reg.)


Anemone

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Anemone mit Besuch

Die Anemone – oder auch Buschwindröschen genannt – gehört zu den ersten Pflanzen, die den jungen Frühling mit ihren Blüten begrüßen. Eine ungeduldige Pflanze. Dadurch erweckt sie in dem Menschen das Gefühl der Hoffnung, das Gefühl des freudvollen Aufbruchs in neue unerforschte Jahre, Welten, Leben.

Doch die Blüten der Anemonen sind meist von nur kurzer Dauer, was beim Menschen wiederum zu einer tiefen und verbitterten Ernüchterung führt, da ihm das Vergängliche gewahr wird und dies seine Seele erschaudern lässt; dem Teufel dagegen weniger. (»Reg.)

Buschwindröschen.

Du Mädchen – nein, Seele nur

In blassem Mädchengesicht;

Aufblick aus Hauch und Spur

Aus Sternenlicht.


– Josef Weinheber


Apfel

Aristophanes warnte einst davor, sich von den Hetären mit Äpfeln bewerfen zu lassen. Denn durch das Aufheben eines solch zugeworfenen Apfels machte man deutlich, dass man nicht abgeneigt wäre ein Lustspiel zu betreiben. Einem Lustspiel dem vielleicht nicht jedermann gewachsen ist oder für welches man nicht die nötigen Münzen in seinen Taschen mit sich führte.

Eine historisch bedeutsame Hetäre war die von Hans Hohlbein porträtierte Lais Corinthiaca von 1526. Die schöne, junge Dame war zu dieser Zeit befreundet mit einer Vielzahl illustrer Personen und durch das beschriebene Gewerbe zu großem Wohlstand gelangt. (»Reg.)


Aronstab

Der Aronstab will Sex, mitten in der Nacht.


– Volker Arzt


B

Banisteriopsis caapi

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Ayahuasca-Liane im peruanischen Regenwald

Liane, im Amazonas heimisch. Die kultivierten Lianen sollen eine stärkere Wirkung besitzen als die wildwachsenden Lianen. Es sei denn, man lässt die Wildbestände von einer alten Frau abernten. (»Reg.)


Baum

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Imposanter Baum auf Teneriffa

Der Baum findet sich allgegenwärtig auf diesem Planten. Abgesehen von der Antarktis, wo einst die Pinguine für ihr Aussterben sorgten. Die Briten und Argentinier rächten sich später während des Falklandkrieges für diese Schandtat. Auch finden sich selten hochgewachsene Bäume in den kalten Gebirgszügen. Hier sind wohl vermutlich die Yetis für ihr Verschwinden verantwortlich. Doch das bleibt ungewiss, da man an diesen Orten weder Bäume noch Yetis je zu Gesicht bekam.

Bäume sind in ihren jungen Jahren kaum von Stauden, Sträuchern oder annuellen Pflanzen zu unterscheiden. In dieser kindlichen Phase werden die Jungbäume noch gemeinschaftlich von den Baummüttern umsorgt. Dies, in dem die Mütter mit ihren Wurzeln vorsichtig die Wurzeln der Kinder umfassend, sie zart durchstechen und dann mit kräftigenden Säften versorgen.

Auch mit fortgeschrittenen Alter können Bäume in ihrem Wuchs den Stauden und Sträuchern ähneln und sind dann mit diesen leicht zu verwechseln. Erst wenn ein älterer Baum sich durch Schwäche kaum noch zu halten vermag und von einem kräftigen Windstoß oder durch die Last von Schneemassen zu Boden sinkt, ermöglicht der nun frei gewordene Platz im Blätterdach des Waldes, dass ein junger und in seinem Wuchs abwartender Baum nun die Chance nutzt und gen Sonnenschein und Sternenlicht strebt.

Mit dem Aufkommen der Menschen und ihrem Innovationstrieb fand man schnell noch weitere Verwendungsmöglichkeiten für Bäume. So knüpfte man in rauen Menschenzeiten zu den Nestern der Vögel noch überführte Schuldige an die Äste. Mit dem Holz der Stämme wurden ganze Heere bewaffnet, die sich dann in einem derben Scharmützel gegenseitig erstachen, versenkten, überrollten und verjagten. Dies Geschah in aller Regel der Liebe einer holden Dame wegen. In Zeiten des Friedens wurden Bäume auch für herzliche Zwecke genutzt. So feierte man unter den Schatten spendenden Kronen Feste mit Tanz, Trank und Rausch. (»Reg.)


Beifuß

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Ein Bad im Wermut hält Dämonen und böse Geister fern

Eine bei Dämonen und dem Teufel sehr unbeliebte Pflanze. Alte naturverbundene Kulturen wussten noch um den Nutzen der verschiedenen Beifußarten. In Nordamerika wurde mit dem Prärie-Beifuß geräuchert, während in Europa vornehmlich mit den gewöhnlichen Beifuß Artemisia vulgaris die Ausräucherung der Heimstätten erfolgte. Der Rauch führt beim Dämonen unmittelbar zum Erbrechen und setzt sich in seiner Haut und seinem Haar für eine ihm unerträglich lange Zeit fest. Teufels Dank besitzt der Brauch des Räucherns in der heutigen Gesellschaft kaum noch Bedeutung und ist weitgehend von den Menschen in Vergessenheit geraten. (»Reg.)



Betonzeder

Wächst vornehmlich in der nähe gründlich asphaltierter Straßen. Aus seinem Harz lässt sich durch Eindampfen das berühmte Beton gewinnen. Löste dereinst Holz als wichtiges Baumaterial ab. Die strukturelle Verwandtschaft dieser zwei Naturprodukte verbildert sich auch in den Redewendungen „Holzkopf“ und „Betonkopf“. (»Reg.)


Bilsenkraut

Wurde bereits bei den alten Griechen als Heilmittel verwendet. Die alten Germanen verwendeten getrocknetes Bilsenkraut zum Brauen von besonders berauschendem Bier. Die volksmedizinische Verwendung hält sich heute noch in der arabischen Welt, wobei zur Betäubung des Zahnschmerzes Samen des Bilsenkrauts geraucht werden.

Das Gute Gewissen des Teufels rät von einem leichtsinnigen Missbrauch dieser Pflanze ab. Man gesteht sich selbst ein, es hier mit der Giftwirkung übertrieben zu haben. In den alten Zeiten sind zahlreiche exhibitionistische und durch Tanz verwüstete Feste dem Bilsenkraut geschuldet, die später in schwachsinnige Veranstaltungen ausarteten. (»Reg.)


Blatt

Ein Blatt aus sommerlichen Tagen

Ich nahm es so im Wandern mit,

Auf daß es einst mir möge sagen,

Wie laut die Nachtigal geschlagen,

Wie grün der Wald, den ich durchschritt.


– Theodor Storm


Bobinsana

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Wird in Peru für verschiedene Heilzwecke verwendet. Ein mit Alkohol und Honig hergestellter Dekokt aus verschiedenen Pflanzenteilen eignet sich zur Stärkung und Vitalisierung. (»Reg.)


Brennnessel

Auf Sri Lanka wird eine ganz besonders stechende Brennnesselart genutzt, um Kulturfelder (z.B. Tabak, Tee) vor Elefanten zu schützen. Die Brennnesselhecken tragen an ihren Blättern und Stängeln äußerst stachelige Drüsen – weitaus bösartiger als bei ihren europäischen Artgenossen. Durchbohren diese den Rüssel eines Dickhäuters, nimmt dieser im Nu Reißaus. Die sonst so gescheit wirkenden Elefanten sind noch nicht auf die Idee gekommen ihren Rüssel anzuheben, um so die Hecken zu passieren und sich am schmackhaften Tee zu laben und ihrer Tabaksucht zu fröhnen. (»Reg.)


Brunsfelsia grandiflora

Wurde den Karipulakena von den Göttern des südamerikanischen Regenwaldes geschenkt. Es heißt, dass Yeba seinem Vater, der Sonne, das Glied abriss und das Sperma zu Pulver zerrieb. Diese Geschichte dient als Anleitung für die Zubereitung der Blätter. So werden diese zunächst zu einem Pulver zerrieben und anschließend ausgekocht. Der Dekokt schützt vor Krankheiten und stärkt den Körper. (»Reg.)


C

Chacruna

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Chacruna im peruanischen Regenwald

Sakrale Pflanze. Heimisch in Südamerika und in Horstedt. Bestandteil von Ayahuasca. (»Reg.)


D

Diogenes

Gilt als der größte aller antiken Provokateure. Soll einst zur hellen Mittagszeit auf einem belebten Marktplatz in Athen mit einer Laterne nach Menschen gesucht haben. Seinen „tollen Menschen“ fand er nicht. (»Reg.)


Diptam

Auch Brennender Busch genannt. Bildet in diversen Drüsen große Mengen ätherischer Öle und hierbei vor allem das Isopren, welches sich bei Hitze selbst zu entzünden vermag. Dies ist an kleine blauen Feuerchen zu erkennen. (»Reg.)


E

Eibe

Besonders geschätzt von den alten Kelten. Ein Baum, der in besonderer Beziehung zum Totenreich steht und als Symbol für den Tod aber auch für die Wehrhaftigkeit steht. Die roten Beeren zwischen den immergrünen Nadeln liefern nicht nur Arznei, sondern auch todbringendes Gift – man denke hierbei an die weisen Worte Paracelsus‘. Das robuste Holz war früher sehr beliebt zum Anfertigen von Bögen, so dass im Mittelalter in der Umgebung der Burgen oftmals Eiben gepflanzt wurden, um stets ausreichend Material zur Waffenproduktion zu besitzen. Mit den aus Eibenholz gefertigten Bögen, Speeren und Pfeilen brachten sich die Menschen dann gegenseitig um, bis die Heere gelichtet waren und man sich zur Zeugung neuer Soldaten hinter die Burgmauern zurückzog.

Schon Ovid beschreibt die Alleen zum Tartaros von Eiben gesäumt: „Furien jagten mit Eibenholz-Fackeln die toten Seelen durch die Allee.“ (»Reg.)


Eisenhut

Vortreffliches Werk des Teufels Pflanzengarten, auf das er zu Recht sehr stolz sein darf. Ein findiger Walddämon brachte schon vor langer Zeit den Frauen in Indien den Umgang mit Eisenhut nahe. So wurde die Kleidung der umtriebigen Ehemänner mit einer ganz besonders giftigen Eisenhutsorte ausgekocht. Wodurch sich das Gift der Pflanze beim Tragen von Hose und Gewand den Weg in die Körper der nichtsahnenden Ehebrecher bahnte. Nach Einführung der Witwenverbrennung hatte dieser Spaß aus Sicht des Teufels leider sein Ende gefunden. Doch seine Verwechslung mit dem beliebten Beifuss lässt Hoffnungsschimmer an der Pforte des Teufels Seele aufkommen.

Um die Giftigkeit des Eisenhuts zu verstärken, empfiehlt es sich ihn mit der Schwertlillie zusammen wachsen zu lassen. (»Reg.)


Efeu

Wurde von seinen tropischen Vorfahren in Europa vergessen und in der nordischen Kälte zurückgelassen. Rächt sich nun an den Bewohnern der unwirtlichen Länder und lässt dabei seine Wut an Häuserfassaden aus, in die er sich mit seinen kräftigen Haftwurzeln bohrt. Im Vergleich zu den meisten Lianen ist der Efeu rechtsdrehend. (»Reg.)


Empörung

Der Begriff der Empörung wird fälschlicherweise von den Entrüsteten zur Darstellung ihres affektierten Zorns verwendet. Entrüstete Personen strapazieren die Nerven ihrer Mitmenschen mit ihrem Redeschwall über Dilemma, welches sie in Wahrheit nicht näher interessiert. Denn ihre Meinungen sind in aller Regel schon vorgefertigt. Der Entrüstete ist bereits vor der Betrachtung des Dilemmas entrüstet. Dagegen ringt der Empörte über Sprache und Fassung, handelt im Affekt und ist ein tatsächlich fühlender Zeitgenosse.


Erdbeere

Erdbeeren sind ein besonderes Mittel zur Verführung. Und da alle Formen der Verführung ein wichtiges Werkzeug beim Treiben des Bösen sind, sollte man als heranwachsender Bösewicht aus diesem Grunde früh die Mächte (resp. dieses Gedicht) der Erdbeere zu beherrschen erlernen. (»Reg.)

Walderdbeeren müsst ihr ohne

Zucker, ohne Zimt genießen,

Nicht den Essig der Zitrone

Nicht Burgunder daran gießen.

Lasst sie in der süßen Schale

Roter Lippen halb zerdrücken,

Um sie dann zum zweiten male

Noch mit einem Kuss zu pflücken.


– Hermann von Gilm


Erle

Ein Attribut des Teufels höchstpersönlich. Erlen wachsen meist an von menschlichen Siedlungen abgelegenen Standorten. Dort hausen Kröten und Schlangen zwischen ihren Wurzeln, Irrlichter fliegen zwischen den Stämmen umher und verwirren umherirrende Wanderer. Man sagt, dass das Erlenholz seine rote Farbe dadurch bekommt, da der Teufel so gerne seine Großmutter mit Erlenholz verprügelt.

Vielen ist die Erle auch durch Goethes „Erlkönig“ ein Begriff. Doch wissen die meisten nicht, dass es sich hier um einen Übersetzungsfehler handelt. Herderes übersetzte das dänische Wort „ellerkonge“ (Elfenkönig) nämlich fälschlicherweise mit „Erlkönig“. (»Reg.)


Esche

Im angelsächsischen Raum gehörte die Esche zu den sieben heiligen „Häuptlingsbäumen“ und das unautorisierte Fällen stand unter schwerster Strafe. Zwei Eschen = Kopf ab. Sehr bald wurde die Strafe jedoch stark abgemildert. Man begnügte sich damit zwei Kühe als Rekompens zu verlangen. (»Reg.)


F

Fallschirm-Leuchterblume

Die Fallschirm-Leuchterblume Ceropegia sandersonii besitzt eine ganz besonders ausgefeilte Bestäubungstaktik. Dazu verströmt die Pflanze einen Duftstoff aus, der den Geruch einer sich im Todeskampf befindenden Honigbiene imitiert. Durch diesen Geruch werden kleptoparasitär lebende Fliegen angelockt und mit den kesselförmigen Blüten eingefangen. Nachdem die Fliegen den Bestäubungsakt durchgeführt haben, werden sie wieder in die Freiheit entlassen. Nur um dann bald wieder eingefangen zu werden und den Befruchtungszyklus abzuschließen. (»Reg.)


Feuerbohne

Die Feuerbohne verabscheut zutiefst metallische Gegenstände. Wird die Feuerbohne neben einem Maschendrahtzaun gepflanzt, um ihr damit einen Halt zu geben, wächst sie dann doch lieber frei in der Luft, als sich dem Kontakt mit Metall hinzugeben. (»Reg.)


Forst

Die Forste des Mittelalters dienten den Monarchen als Jagdrevier und Erholungsort. Der Öffentlichkeit wurden diese in Rechtsrahmen eingepfärchten Wälder vorenthalten. Die Monarchen fürchteten dabei um ihr Wildtierbestand und zudem pflegten sie in dem tiefen Gehölz allerlei Unrat zu treiben. Ganz unbewusst entsprangen dadurch die ersten Naturschutzgebiete der Geschichte. (»Reg.)


Fuchs

Der Fuchs ist schlau und stellt sich dumm.

Der/Die [beliebiger Name] macht es anders rum.


G

Gänseblümchen

Die Zicken der Natur. Meiden die wohltuende Gesellschaft von Säufern und Lügnern. Sterneder beschreibt eine Erfahrung, bei der er in solch einer fröhlich ausgelassenen Gesellschaft zu Tische saß. Innerhalb nur einer Viertelstunde hatten sich alle Blüten von dem lustigen Treiben abgewendet und bogen sich erst wieder ihrer Natur folgend zur Sonne zurück, als die Trinkgesellschaft sich aufgelöst hatte. (»Reg.)


Gehirn

Obwohl das menschliche Gehirn – dem Autor ist durch das Beiwohnen einer Autopsie bekannt, dass es kleiner ist als man gemeinhin annimmt –  25% der gesamten Energiereserven verbraucht, ist sein genauer Zweck nicht gänzlich geklärt. Es ranken sich vielmehr zahlreiche unausgereifte Theorien und noch mehr halbgare Hypothesen über dieses Körperorgan. Mit Sicherheit ist festzuhalten, dass die meisten Besitzer eines solchen, die Fähigkeiten ihres eigenes grandios überschätzen. (»Reg.)


Ginkgo

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Ginkgo-Blatt

Ein alter Schwindler unter den Bäumen. Wurde schon während des gesamten Mesozoikum von Dinosauriern kultiviert. Obwohl er mit seinen fächerförmigen Blättern an die evolutionsgeschichtlich jüngeren Laubbäume erinnert, entstanden die ersten Ginkgobäume bereits vor 100 Millionen Jahren – als es noch keine Bedecktsamer gab. Die Fruchtanlage ist bei dem Ginkgo nicht bedeckt und gehört damit botanisch zu den Nacktsamern wie auch die bekannten Nadelholzgewächse (Fichten, Kiefern, Lärchen etc.). (»Reg.)


Gott

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Amen! Und Lob und Ehre und Weisheit und Dank und Preis und Stärke sei unserem Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit!

– Der Esel aber schrie dazu I-A.

Er trägt unsere Last, er nahm Knechtsgestalt an, er ist geduldsam von Herzen und redet niemals Nein; und wer seinen Gott liebt, der züchtigt ihn.

– Der Esel aber schrie dazu I-A.

Er redet nicht: es sei denn, dass er zur Welt, die er schuf, immer Ja sagt: also preist er seine Welt. Seine Schlauheit ist es, die nicht redet: so bekömmt er selten unrecht.

– Der Esel aber schrie dazu I-A.

Unscheinbar geht er durch die Welt. Grau ist die Leib-Farbe, in welcher er seine Tugend hüllt. Hat er Geist, so verbirgt er ihn; Jedermann aber glaubt an seine langen Ohren.

– Der Esel aber schrie dazu I-A.

Welche verborgene Weisheit ist das, dass er lange Ohren trägt und allein Ja und nimmer Nein sagt! Hat er nicht die Welt erschaffen nach seinem Bilde, nämlich so dumm als möglich?

– Der Esel aber schrie dazu I-A.

Du gehst gerade und krumme Wege; es kümmert dich wenig, was uns Menschen gerade oder krumm dünkt. Jenseits von Gut und Böse ist dein Reich. Es ist deine Unschuld, nicht zu wissen, was schuld ist.

– Der Esel aber schrie dazu I-A.

Sieh doch, wie du Niemanden von dir stößest, die Bettler nicht, noch die Könige. Die Kindlein läßest du zu dir kommen, und wenn dich die bösen Buben locken, so sprichst du einfältig I-A.

– Der Esel aber schrie dazu I-A.

Du liebst Eselinnen und frische Feigen, du bist kein Kostverächter. Eine Distel kitzelt dir das Herz, wenn du gerade Hunger hast. Darin liegt eines Gottes Weisheit.

– Der Esel aber schrie dazu I-A.

(Also Sprach Zarathustra – Nietzsche; dtv C.H.Beck) (»Reg.)


H

Haselnuss

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Zwei Hasel warf ich in die Flammen,

und jeder gab ich eines Liebchens Namen:

mit lautem Knall zersprang die erste schnell,

im Feuer leuchtete die zweite still und hell.

Ach, wenn doch deine Liebe so erblühte,

wie meine Nuss im Feuer glühte.


– Thomas Gray

Reg.)


Herbst

Fetter grüne, du Laub,

Am Rebengeländer

Hier mein Fenster herauf!

Gedrängter quellet,

Zwillingsbeeren, und reifet

Schneller und glänzend voller!

Euch brütet der Mutter Sonne

Scheideblick; euch umsäuselt

Des holden Himmels

Fruchtende Fülle;

Euch kühlet des Mondes

Freundlicher Zauberhauch,

Und euch betauen, ach!

Aus diesen Augen

Der ewig belebenden Liebe

Vollschwellende Tränen.


– Johann Wolfgang Goethe

Reg.)


Holunder

Der Holunderstrauch gehörte in den vorchristlichen Zeiten zu den magischen Hölzern und wurde dementsprechend vom abergläubischen Volk verehrt wie auch gefürchtet. Mancheiner soll sogar beobachtet haben, wie die leibhaftige Frau Holle den Holunderstrauch als Pforte zu ihrer Unterwelt benutzte. Auch verschiedenartige Wesenheiten – Waldgeister, Dämonen, Kobolde – nutzen den Holunderstrauch als Versammlungsort und feiern unter seinen Blättern rauschhafte Feste. Heute finden sich unter den Holundersträuchern auch zahlreiche böse Pokémons. (»Reg.)


Holz

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Wurde früher in großen Mengen zur Herstellung von Hütten und hochgesteckten Häusern verwendet. Das Baumaterial Holz wurde jedoch in den letzten hundert Jahren verstärkt von Beton abgelöst, welches aus dem Sekret der sogenannten Betonzeder gewonnen wird. Heute wird Holz noch zum Bau von Tischen, Stühlen, Salatbesteck und zum Bau von Wegen (den Holzwegen; führt zu „auf dem Holzweg sein“) gebraucht. Holz findet sich auch in Gegenständen in denen man es weniger erwartet wie zum Beispiel in Köpfen. (»Reg.)


K

Kakteen

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Ein Kaktus der Gattung Mammillaria

Die Igel der Flora.

In Nordmexiko wurde dieser Kaktus (gem. Mammillaria) von Schamanen gegessen, um sich einen klaren Blick zu beschaffen. Hexer und böse Zauberer wurde so besser erkannt. Zur Abwehr hat das Dunkle Reich diese Gattung verflucht. Denn wer nun in unangemessener Weise diesen Kaktus verspeist, wird im schlimmsten Fall mit Verrücktheit bestraft. (»Reg.)


Kraut ewiger Jugend

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Wurde von Gilgamesh in den Süßwasserozeanen gefunden und sollte ihm ewige Jugend schenken. In einem unachtsamen Moment wurde ihm das betörend duftende Kraut jedoch von einer Schlange entwendet und so erlosch sein letzter Hoffnungsschimmer nach Unsterblichkeit. Betrübt von seinem Schicksal wendete er sich einem einfachen Leben als Schafhirte zu. (»Reg.)


Krone

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Berühmter Drago Milenario in Icod auf Teneriffa

Ich hab ’ne Krone auf dem Kopf, ich bin ein Baum! (»Reg.)


L

Lärche

Haben die Spitzfindigkeit und Auffassungsgabe der Menschen unterschätzt. Im Gegensatz zu den verwandten Kiefern behält die Lärche ihr Nadelkleid im Winter nicht. Durch das Abwerfen der Nadeln versucht die Lärche sich „unsichtbar“ zu machen, und so sich vor dem feinen Blick der Menschen zu verbergen. Doch dieser hat die Heilkraft der Lärche längst entdeckt und nutzt das Lärchenharz zur Behandlung von Rheuma, Hexenschuss und Hautverletzungen. (»Reg.)


Lebensbaum

Die Ureinwohner Nordamerikas fertigten aus dem leichten und dauerhaften Holz des Lebensbaums, welches sich zudem noch leicht verarbeiten lässt, ihre Kanus. Diese erreichten beeindruckten Längen von mehreren dutzend Metern, so dass ganze Großfamilien in ihnen Platz nehmen konnten. Oftmals wetteiferten ganze Stämme um den Bau des längsten und des am schönsten verziertesten Kanu. Die Wortherkunft des Baumes ist dadurch einfach erklärt – wenn nicht sogar etwas profan. Mit den Kanu konnten die Ureinwohner auch zur späten Stunde noch schnell Einkäufe im nahegelegenen Lebensmittelladen tätigen. Dort konnten sie alle Tätigkeiten verrichten, die für einen Lebens-Unterhalt unerlässlich sind: Lebensmittel einkaufen und mit Bekannten den neuesten Tratsch austauschen. (»Reg.)


Löwenzahn

Auch Butterblume genannt. Ihr Blüten erscheinen wie volle Sonnen. Im Zustand der Samenreife wie der Mond.


Lust

O Mensch! Gib acht!

Was spricht die tiefe Mitternacht?

„Ich schlief, ich schlief -,

Aus tiefem Traum bin ich erwacht: –

Die Welt ist tief,

Und tiefer als der Tag gedacht.

Tief ist ihr Weh -,

Lust – tiefer noch als Herzeleid:

Weh spricht: Vergeh!

Doch alle Lust will Ewigkeit -,

– will tiefe, tiefe Ewigkeit!“


– Friedrich Nietzsche (Also sprach Zarathustra)

Reg.)


M

Magenwind

Entstehen häufig beim Verzehr von Hülsenfrüchten. Aber auch der Verzehr von Milchprodukten, Früchten und der Karyopsen von Süßgräsern kann bei bestimmten Bevölkerungsgruppen Magenwinde verursachen. Ein bedeutendes Mittel zur Erzeugung starker Magenwinde ist Dosenmais. Magenwinde waren früher ein probates Mittel um einem gelungenen Mal zu applaudieren. So fragten Köche im Mittelalter ihre Kundschaft nach dem Abschluss des Mahls: „Warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht gemundet?“ Der Magenwind fand zudem Eingang in die mittelalterliche Poesie: „Ein Rülpser ist ein Magenwind, der nicht den Weg zum Arschloch find‘.“ (»Reg.)


Maiglöckchen

Lässt sich vortrefflich unter den Bärlauch am Bachufer mischen. Dem Maiglöckchen-Deva ist der liebste Geistestrunk ein unachtsamer Bärlauchfanatiker. (»Reg.)


Manchinelbaum

Vortreffliches Folterinstrument der Natur. Heute vor allem in der Karibik zu finden. Wurde wahrscheinlich von den Katholiken zum Ende des 15. Jahrhunderts aus Europa nach Amerika gebracht. Die Deliquenten werden ganz einfach an den Stamm gebunden und von dem bei Regen aus dem Baum austretenden Pflanzensaft verätzt. Hexen vergiften hübsche, junge Frauen, die Zuflucht in den Wäldern bei zumeist putzigen Gestalten suchen, in der Regel mit Äpfeln des Manchinelbaums. (»Reg.)


Maniok

Maniok gehört zu den Wolfsmilchgewächsen und ist aufgrund seines hohen Blausäure-Gehalts ungenießbar, gar giftig für den Menschen. Aus diesem Grund erfand man in alten Zeiten eine ganz besondere Verwendung für die giftigen Knollen. Vermutlich kam dem Menschen in einem Traum der luziferische Einfall, die besagten Knollen in fischreiche Tümpel zu werfen. Die vergifteten Fische mussten dann nur noch von der Oberfläche abgeerntet werden.

Heute sind Verarbeitungstechniken bekannt, die den Blausäuregehalt in Maniok vermindern und ihn so für Menschen genießbar machen. Es kommt dennoch häufig vor, dass die Verarbeitung des Manioks nicht korrekt durchgeführt wird und der Blausäuregehalt in den produzierten Lebensmitteln zu hoch ist. Chronische Intoxikationen werden als Konzo beschrieben. (»Reg.)


Moderne

Zustand der die Götter verdrängt und die Geister walten lässt. In der Moderne ist der Mensch emsig damit beschäftigt die Natur, den Erdboden, die Seelen und die Wissenschaft von Zauber, Schönheit und Poesie zu befreien. Jeder Hauch von Heiligem wird getilgt. Und der Glanz des Erhabenen wird mit Sarkasmus entkleidet.  (»Reg.)


N

Natur

Die Natur wollte wissen, wie sie aussah, und sie erschuf Goethe.


– Heinrich Heine

Wanderungen durch die Natur (vermutlich das Appenzell) inspirierten den Schweizer Dichter und Politiker Gottfried Keller zu einem vielbeachteten Abendlied an die Natur.

Hüll‘ ein mich in die grünen Decken

Mit deinem Säuseln lull‘ mich ein!

Bei guter Zeit magst du mich wecken

Mit deines Tages jungem Schein.

Ich hab‘ mich müd mit dir ergangen,

Mein Aug‘ ist matt von deiner Pracht:

Nun ist mein einziges Verlangen,

Im Traum zu ruh’n, in deiner Nacht.


– Gottfried Keller

Reg.)


Nummeduss

Ein Orden, der seine Mitglieder aus allen Gesellschaftsschichten gewinnt, besonders jenen die sich durch Plumpheit und einfachen Geist auszeichnen. Der Orden der Nummedusse zeichnet sich durch seine Vielzahl an Anhängern aus, die nach inoffiziellen Angaben die der semitischen Religionen bei weitem übersteigt. Die Jünger der heiligen, herabgefallenen Nummeduss ehren den Stumpfsinn und scheuen sich vor Spitzfindigkeit. Ihr Wortführer reinkarniert sich in regelmäßigen Abständen als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. (»Reg.)

Nussbaum

Nach dem Glauben der menschlichen Ahnen entzweit den Nussbaum und die Eiche eine alte Feindschaft, so dass sie nicht nebeneinander gedeihen konnten. Die Eiche wird seit jeher dem Licht- und Blitzgott geweiht und steht im strengen Kontrast zu dem Nussbaum, der dagegen seit jeher ein Symbol der Nacht ist und für das schwarze Gefolge steht.

Es sollte nun jedem klar sein, auf welchen Baum der Teufel zu setzen pflegt.

Früh fanden fiffige Wirte heraus, dass der Verzehr von Nüssen die Wirkung von starkem Weingenuss zu neutralisieren vermag. So stellte man den Weinsäufern unberechnet Nüsse auf die Tische, wodurch den Wirten ein verbessertes Einkommen generiert wurde und das Römische Reich etwas länger bestehen konnte. (siehe dazu auch Weinrebe) (»Reg.)


O

Orangenblüten

Sind die pflanzliche Urquelle kölscher Heiterkeit. Von jeher betrieben findige Händler in und um Köln einen regen Handel mit orientalischen und finnischen Orangenblüten. Das aus frischen Orangenblüten gewonnen Wasserdampfdestillat wird unter dem Namen „Eau de Cologne“ oder „Kölnischwasser“ vertrieben. (»Reg.)


P

Peristylgarten

Peristyl (altgr. „rings von Säulen umgeben“), ein offener, säulen- und pfeilergestützer Umgang im römischen Wohnhaus, der gleichzeitig mit dem Innenhof den Garten des Atriums darstellte. Ihren Ursprung haben die P. in der griechischen Antike. Die aus dem Garten des Akademos entstandenen Akademien, zeichneten sich durch ihre angelegten Peristylgärten aus. Das Lernen und ebenso das Lehren unter freiem Himmel haben große griechische Denker hervorgebracht. Der Anblick des Grüns der Natur, das Sein in der Natur haben einen maßgeblich beruhigenden Effekt auf Lernende und Lehrende, so dass eine bessere Wissensvermittlung als in geschlossenen Räumen erfolgen kann. Im Gegensatz zu den Philosophiestudenten Platons in antiker Zeit werden Schüler heutzutage fast ausschließlich in gemauerten Räumen unterrichtet. Der Verlust der lernfördernden Naturerscheinung muss mit der Verabreichung von pharmazeutischen Ritalin substituiert werden. (»Reg.)

Perubalsam

Stammt in Wirklichkeit aus San Salvador und sollte dementsprechend Salvadorbalsam genannt werden. Wurde früher unter anderem zur Behandlung von Hämorrhoiden verwendet. Wird vom Teufel aber auch gerne zur Erzeugung von Kontaktallergien des Typs IV verwendet. (»Reg.)


Petersilie

In Frankreich munkelt man, dass Petersilie am besten von Lügnern und Narren gesät werden sollte, da diese Samen dann besser gedeihen. Manch einer glaubt dann zu wissen, dass er ein ganz ehrbarer Mensch sei, wenn seine ausgesäten Petersiliensamen nach dem Aussprießen gleich wieder eingehen. Weit gefehlt! Das zeigt einzig und allein einen Mangel an Grünen Daumen auf. (»Reg.)


Pfauenstrauch

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Ist in den tropischen Ländern ein beliebter Zierstrauch geworden. Wurde früher besonders wegen seiner zahlreichen Heilkräfte geschätzt. (»Reg.)


Pflanzen

„Suchst du das Höchste, das Größte. Die Pflanzen können es dich lehren. Was sie willenlos sind, sei du es wollend – das ist’s.“


– Friedrich Schiller

In der Genesis ist die eigentliche Rangordung der belebten Reiche gründlich dargelegt. Auch wenn der Menschen mit seinem Gepolter eine neue Hackordnung herbei zu dröhnen wünscht. Doch tatsächlich ist es so, dass Gott schon am dritten Tag der Schöpfung die Pflanzen erschuf, wohingegen die Tiere, der Mensch und sogar die Himmelskörper erst später fertiggestellt wurden. Vor der Erschaffung der Sonne behalf man sich mit leuchtenden Wolken um die Pflanzen zum Wachsen zu bringen. (»Reg.)


Pflanzenschutz

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Kinder-, Tier- und Eigentumsschutz sind in der heutigen Gesellschaft klare Begriffe, die auch von dem Einfältigsten in ihrer Bedeutung grob verstanden werden. Kinderschutz heißt so zum Beispiel, dass man Kinder bei Brettspielen auch mal gewinnen lässt. Unter Tierschutz verstehen wir, einem Hund auch mal Leine zu geben. Und Eigentum muss geschützt sein, da sich Ergaunern und Anhäufen sonst nicht mehr lohnen würden und dadurch eine wichtige Triebfeder des kapitalistischen Treibens an Bedeutung verlieren würde. Der Begriff Pflanzenschutz ist dagegen ein Oxymoron. Hier widerspricht das Wort dem zu beschreibenden Kontext. Denn unter Pflanzenschutz wird gemeinhin das Besprühen mit umweltschädlichen Chemieprodukten von Früchten, Blüten, Knospen und ganzer Pflanzen verstanden, woraufhin die Insekten tot zu Boden stürzen und die Gesellschaft durch mediale Einflussnahme in Panik gerät. Da die Politik anscheinend nicht so recht verstanden hat, was es zum Schutz der Pflanzen tatsächlich bedarf, wird dieses Treiben zum Nutzen einiger weniger und mächtiger Menschen fortgeführt.

Pflanzen haben als Ausgleich Allergene entwickelt mit denen sie von Frühjahr bis in den späten Sommer die Menschen plagen. Die Pflanzen haben sich passenderweise eine tolle eigene Beschreibung für diese Allergene ausgedacht: Menschenschutz. (»Reg.)


Phytotherapie

Die modernen Arzneimittelgesetze beruhen auf dem monokausalen Denkansatz „Eine Ursache führt zu einer Wirkung“ und entspringen den Hirnen von „simplificateures terribles„. Diese scheinen die vorherrschende Gruppe des menschlichen Geschlechts darzustellen. Sie folgen einer einfachen Denkweise, die der Charakteristik von komplexen pflanzlichen Arzneimitteln nicht gemäß ist. Denn nur die gewieftesten Chemiker kennen das Geheimnis der Phytotherapie und sind sich im Klaren darüber, dass Pflanzliche Arzneimittel sich mit moderner wissenschaftlich Methodik nicht zufriedenstellend beurteilen lassen. Es ist für sie, den halkyonisch denkenden Alchemisten offensichtlich, dass – obwohl die theoretischen Erkenntnisse nur vage erscheinen – die aus Pflanzen gewonnenen Extrakte (Vielstoffgemische) den akademisch gut beschriebenen Monosubstanzen bei weitem überlegen sind. Interessanterweise führt die vom Homo idioticus verehrte „rationale Therapie“, die durch Arzneimittelgesetze geschützt und von der globalen Pharmaindustrie gemolken wird, genau in die entgegengesetzte Richtung. So werden wissenschaftliche Anstrengungen bemüht, um den durch Isolation gewonnenen und nur noch schwach wirksamen Monosubstanzen durch aufwendige chemische Modifikationen die ursprüngliche Wirkung zurück zu geben. Auch wenn in vielen Fällen, die Wirkung nun intensiver wird, missversteht der Homo idioticus an dieser Stelle, dass dies keinen zu schätzenden punktuellen therapeutischen Eingriff darstellt, sondern vielmehr eine einschneidende Erfahrung für den menschlichen mit der Natur verbundenen Organismus darstellt. Es scheint, dass eine hohe Akzeptanz von „rationaler Therapie“ ein Indikator für tatsächliche Verdummung ist. (»Reg.)


R

Reseda

Diese in Mitteleuropa vorkommende krautige Pflanze gehört neben dem Maiglöckchen und dem Eisenhut zu den Vasen-Mördern. Stellt man einer dieser drei Pflanzen in eine mit Schnittblumen gefüllten Vase, so werden innerhalb weniger Stunden all anderen Blumen verwelken. (»Reg.)


Rhododendron

Des Teufels Späher in der sonst fast ausnahmslos herrlichen Pflanzenwelt. Die Natur liegt im Beisein von Rhododendren in einem fahlen, kalten Licht. Rhododendren gedeihen gut in spießigen Vorgärten und sind ein Übel für das Auge des wahren Pflanzenfreundes.

Streit um Rhododendron eskaliert – Mann sticht seinen Nachbarn nieder!Reg.)


Rose

Ja! Mein Glück – es will beglücken -,

Alles Glück will ja beglücken!

Wollt ihr meine Rosen pflücken?

Müsst euch bücken und verstecken

Zwischen Fels und Dornenhecken,

Oft die Fingerchen euch lecken!

Denn mein Glück – es liebt das Necken!

Denn mein Glück – es liebt die Tücken!

Wollt ihr meine Rosen pflücken?


– Nietzsche („Meine Rosen“)

Reg.)



S

Schach

Das Spiel der Könige. Bis heute ist die Herkunft des Schachspiels nicht vollkommen geklärt. Es streiten sich Persien, Indien und auch China über den Anspruch als Ursprungsland. Die Attraktivität des Spiels ist für Menschen, die sonst dem Spektakel frönen, nicht ersichtlich. Die verborgene Eleganz wird zumeist nur kundigen und interessierten Personen ersichtlich. Schach ist viel mehr als ein Brettspiel, es codiert in seiner repetitiven Ausübung eine gehaltvolle Lebensphilosophie. So lassen sich die Grundzüge des Spiels als Anleitung für ein gutes Lebens lesen. Bedächtig sich zu entwickeln und sich stets in Geduld zu üben – Wurzeln ergreifen die Erde. Dahingehend zu streben, dass die eigenen Anlagen zur vollen Entfaltung kommen – die Blätter sich entfaltend. Diesem Prozess mit Weitsicht und Übersicht einen strukturellen Halt zu geben – den Stamm manifestieren. Sein eigenes Wirken in das Fremde und das Bewirken des Fremden auf das Selbst analysierend – im Wechselspiel mit der Natur. Liebe! – Erblühe! Als die wichtigste Regel des Schachspiels gilt: Verliere zu keiner Zeit die Kontrolle über deine Mitte. (»Reg.)



Schamanenpflanze

Auch „Fleisch der Götter“ genannt. Enthalten bewusstseinsverändernde Substanzen. Albert Hofmann schrieb an Ernst Jünger nach seinen Erfahrungen mit LSD: „[…], dass die Wirkung magischer Drogen an einer Grenzfläche stattfindet, an der Materie und Geist ineinander übergehen – dass diese magischen Substanzen selbst Bruchstellen sind im unendlichen Reich des Materiellen, an denen die Tiefe der Materie, ihre Verwandschaft mit dem Geist offenbar wird.“ (»Reg.)


Schlaf

Mit dem schlafbringenden Saft bestimmter Pflanzen werden Bett, Decke und Kissen besprengt. Dazu spricht man dreimal den von der schönen Königstochter Königstochter Medea von Kolchis geposteten Spruch:

„Verbaque ter dixit placidos facientita somnos, quae mare turbutum, quae concita flumina sistunt.“

(Dreimal sprach sie Worte, die friedlichen Schlaf bereiten, die das tobende Meer und reißenden Flüsse zum Stehen bringen.) (»Reg.)


Spargel

Cato der Ältere und auch Gajus Plinus empfehlen den Anbau des Spargels mit dem Standort des Schilfrohrs zu vereinen. Denn beide Pflanzen verbindet seit jeher eine Freundschaft, die so eng verknüpft ist, dass man zu früheren Zeiten sich streng davor hütete diese beiden Pflanzen zu trennen. Man fürchtet einen Fluch. Einen unheimlichen Fluch. Und so kam es. Und so führte die unbedachte Trennung dieser zwei Pflanzenfreunde dazu, dass die Menschheit mit der Plage „Smartphone“ verflucht wurde. (»Reg.)


Sternenkraut

Das Sternenkraut (Aster atticus) wächst vornehmlich zwischen Felsen und auf harten Böden. In der Nacht scheinen seine Blüten so hell wie die Sterne selbst, so dass einige Menschen meinen kleine Feuerchen entflammen die Wiesen oder es geschehe gar ein Streich des Teufels. (»Reg.)


T

Tanz

Entwickelte sich unter den Ureinwohnern Nordamerikas. Diese hatten die zarte Angewohnheit ihre Gefangenen auf eiserne Platten zu stellen, unter denen ein passendes Feuer brannte. Weniger berechnend als vielmehr aus einem natürlichen Trieb heraus, fanden die so Malträtierten heraus, dass, sofern man nur mit einem Fuß auf der Hitzequelle stand, auch nur eine Sohle zu brennen hatte. Da dabei jedoch immer eine der Zweien die Tortur erdulden musste, wurde alsbald in immer schnellerer Abfolge das Standbein gewechselt. Am liebsten wäre es den Gepeinigten gewesen, man stünde mit gar keinem Fuße auf der heißen Eisenplatte. Da dies bedauerlicherweise nicht im Einklang mit den Naturgesetzen steht, wurde mit artistischen Verfeinerungen die Kontaktzeit auf ein Mindestes verkürzt. Die Zuschauer dieses Schauspiels wohnten mit sehr viel Beifall den Anfängen der Tanzkultur bei.

Tausendgüldenkraut

Eine schon in der Antike geschätzte Heilpflanze. In der griechischen Mythologie heilt der friedfertige Kentaur Cheiron den verwundeten Herkules mit dem Allheilmittel Tausendgüldenkraut. Daher auch die lateinische Bezeichnung des Krauts Centaurium erythraea. (»Reg.)


Thigmomorphogenese

Langsames Wachstum vom Menschen weg. (»Reg.)


Tierschädlinge

Wer einen rechten Garten möchte, der muss sich den tierischen Schädlingen mit breiter Brust entgegen stellen. Die Behandlung dieser krabbelnden und herumschwirrenden Plagen kann mit Hilfe der Pflanzen erfolgen, die aufgrund ihres Dufts eben diese Störenfriede zu vertreiben verstehen.

Ameisen: Können ja einiges, aber den Geruch von Holunderblüten, Lavendelblüten und von Kerbelkraut ist ihnen zuwider.

Blutlaus: Als Schutzpflanze gegen diesen Schädling wirkt in hervorragender Weise die Kapuzinerkresse.

Flöhe: Werden durch das Farnkraut vertrieben. So steckte man früher einen von Flöhen gepeinigten Hund in einen Sack mit Farnkraut, um ihn von dem saugenden Ungeziefer zu befreien.

Kohlweissling: Die Raupen verabscheuen den Duft der Tomaten und die Fliegen mögen den Hanf nicht leiden.

Maikäfer: Reagiert äusserst empfindlich auf den Mohn. So gehen die Engerlinge des Maikäfers ein, wenn sie sich versehentlich an den Wurzeln des Mohns vergreifen.

Maulwürfe: Meiden Knoblauch, Möhren und Porree. Aus dem Obstgarten wird der Maulwurf durch das kreuzblättrige Wolfsmilch vertrieben.

Mäuse: Werden ebenso wie der Maulwurf durch das kreuzblättrige Wolfsmilch vertrieben. Weiterhin hilft gegen diese unangenehmen Plagegeister wilde Kamille und Pfefferminzblätter. (»Reg.)


V

Verschlingen

Chronos tat es mit seinen Kindern, andere mit einem Stück Obstkuchen.

 


W

Wahlspruch

Zu der bekannten Parole der Französischen Republik Liberté, Égalité, Fraternité bemerkte Dostojewski bei seinem Besuch in Paris, dass die Liberté dort nur für Reiche gelte; der Begriff Égalité eine Beleidigung für die Armen sei, die der Willkür der französischen Justiz ausgesetzt sind; und die Fraternité ein großer Schwindel sei, da die Gesellschaft auf dem Prinzip der Egoität fußt und ausschließlich von der Gier nach Besitz angetrieben wird. (»Reg.)


Wacholder

Unfertiger Gin. Nach Konrad von Würzburg und Hildegard von Bingen ein vortreffliches Gewächs. Der Autor dieses Lexikons schließt sich dieser Meinung an. (»Reg.)


Wald

Ansammlung von dicht beieinander stehenden, hochgewachsenen Pflanzen – auch Bäumen genannt. Unsere Urahnen – Vicos Giganten – rodeten Lichtungen in die damals sehr dicht mit Wäldern bewachsene Landflächen, um einen besseren Blick auf die Sterne zu bekommen und um das gelegentliche Erscheinen der ISS zu beobachten. (»Reg.)


Wasserschlauch

Bekannt wegen seines animalischen Treibens. Dümpelt gemütlich in nährstoffärmeren Gewässern vor sich hin und hat es dort vor allem auf Wasserflöhe abgesehen. Hat sich, gerissen wie er ist, aus der Itemliste des Evolutionskatalogs Saugfallen heraus gesucht. Damit fängt und verdaut der Wasserschlauch eingesaugte Kleinsttiere. (»Reg.)


Weinrebe

Der Wein verbreitete sich gemeinsam mit der römischen Expansionslust über den europäischen Kontinent. Da die Natur von wahrem Humor beseelt ist, führte die Weinkultur seit Menschen- und Traubengedenken zu erheiternden Schauspielen. Aus Furcht mieden die römischen Soldaten die Urwälder – es konnten sich ja hinterhältige Barbaren und Heiden dort verschanzt halten – und so war die Versorgung von frischem Quellwasser aus den dunklen Wäldern nicht ausreichend. Um dem Durst trotz dessen Einhalt zu gebieten, wurde umso mehr Wein gesoffen, was die Soldaten erst heiter und später raufsüchtig werden ließ. Wäre Kaiser Probus nicht auf einen genialen Einfall gestoßen und hätte Nüsse zum Wein verordnet, so hätten sich die Soldaten des Römischen Reichs in Windeseile eigenhändig und ganz ohne Fremdeinwirkung Bataillon für Bataillon ausgelöscht. (siehe daher auch Nussbaum).

Für Sorgen sorgt das liebe Leben

Und Sorgenbrecher sind die Reben


– Johann Wolfgang von Goethe

Reg.)


Wegwarte

Blau blühende Pflanze, die sich vornehmlich an Wegrändern finden lässt. Ihre besondere Eigenschaft ist es, während auch starker Regengüsse zu blühen. Sie wird dann von an ihr empor kletternden Regenwürmern bestäubt. Reg.)


Wirtschaftssysteme

Versprechen den Menschen Freiheit und Wohlstand; Und versorgen ihn mit Knechtschaft und Elend.  (»Reg.)


Y

Yams

Wurde einst von den südasiatischen Jägern zur Herstellung von Pfeilgift verwendet. Heute hat sich die Knolle mit dem Menschen angefreundet und seine Giftwirkung verloren. Yams dient dem Menschen nun als Nahrungspflanze. Ein elendiger Verräter der pflanzlichen Unterwelt. (»Reg.)


Z

Zahnschmerzen

Von Marcellus, der trotz schlechter Zähne den Gang zum Zahnarzt mied, ist ein doch recht einleuchtendes Verfahren zur Behandlung von Zahnschmerzen überliefert. Man nehme an einem schönen Tage, barfüssig auf blanker Erde, einen Frosch in die Hand und fasst dessen Kopf. Mit den Fingern spreizt man das Maul des Frosches und spuckt kräftig hinein. Während dieser Prozedur bittet man, dass er die Zahnschmerzen an sich nimmt. Der Frosch wird lebend frei gelassen und lässt so seine Zahnschmerzen davon hüpfen. (»Reg.)


Zeit

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Von heut an hängt an härner Schnur

Um meinen Hals die Stunden-Uhr:

Von heut an hört der Sternen Lauf,

Sonn, Hahnenschrei und Schatten auf,

Und was mir je die Zeit verkünd’t,

Das ist jetzt stumm und taub und blind: –

Es schweigt mir jegliche Natur

Beim Tiktak von Gesetz und Uhr.


– Nietzsche („Gegen die Gesetze“)

Reg.)


Zuckerrohr

Der Zuckerrohr wurde im alten Indien von dem Liebesgott Kama verkörpert. Kama machte sich im Frühjahr einen Spass daraus, durch die Gegend zu streifen und stark aphrodisierende Pfeile auf Mensch und Tier zu schiessen. Dem lustigen Treiben wurde ein Ende gesetzt, als Kama seinen Bogen auf Shiva richtete, um diesen in einen liebestollen, geilen Gott zu verwandeln. Shiva kam dem jedoch zuvor und verwandelte Kama an Ort und Stelle in die süsse Zuckerrohrpflanze. Seitdem bringt der Zuckerrohr nicht nur Genuss und Freude über die Menschheit, sondern straft sie auch bei übermässigem Konsum mit fauligen Zähnen, zahlreichen Krankheiten und macht die Kinder aggressiv und launisch.

In Zeiten des Sklavenhandels verbrauchten schätzungsweise 250 aufrichtige Engländer pro Jahr an die eine Tonne Kandiszucker. Da die Arbeit auf den Zuckerrohrplantagen unmenschlich hart war, rechneten die Plantagentyrannen damals mit einem Sklavenleben für die Erzeugung eben dieser einen Tonne Zucker.

Es wird gemunkelt, dass Zahnärzte heute noch in alten und geheimen Ritualen dem Zuckerrohrgott Kama huldigen. (»Reg.)


Zunge

Vorteilhaft bei der Verwendung als Instrument zum Schmecken von sinnlichen Speisen. Bei den meisten Anwendern erscheint die Verwendung zum Sprechen dagegen als deutlich weniger vorteilhaft. (»Reg.)


 

Quellen und Inspirationen: Cato der Ältere, Volker Arzt, Bibi aus Hoyerswerda, Marianne Beuchert, Helmut Birkhan, Herr Erat, Hildegard von Bingen, Johan Wolfgang Goethe, Albert Hofmann, Gottfried Keller, Konrad von Würzburg, Horst von Lotterbach, Hermann Masius, Pankaj Mishra, Friedrich Nietzsche, Gajus Plinus, Christian Rätsch, Friedrich Schiller, Hans Sterneder, Wolf-Dieter Storl, Theodor Storm, Elfrune Wendelberger, Max Wichtl u.w.

Pflanzen bestimmen mit dem Internet:

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