Phytotherapie und Antibiotika

Doch Myriaden von Übel entschwirrten unter die Menschen.

Voll ist ja von Übeln das Land und voll ist die Meerflut,

Krankheiten nahen den Menschen bei Nacht und bei Tage von selber

Ungerufen und bringen den sterblichen Wesen Vernichtung

Schweigend, denn es beraubte sie Zeus, der Herrscher, der Stimme.

So ist keinem vergönnt, dem Willen des Zeus zu entgehen.

  • Hesiod – Werke und Tage : Pandora, die Weltalter

Gegen das Äußere sich behaupten

Ein Aspekt der Identitätsbildung von höheren Lebewesen umfasst ihre Fähigkeit zur Abgrenzung von der Aussenwelt. Körperliche Gestalten stehen im Kontrast zu der umgebenden Natur. Und der Mensch besitzt durch das abgegrenzt-sein einen Raum in seinem Inneren, der eine magische Qualität besitzt und der nur ihm selbst gehörend als Heim seiner Seele dient. Aus dieser heraus vermag er seine Persönlichkeit zu entwickeln, sich zu erheben und mit aufgerichtet in seine Freiheit zu schreiten. Und im Schutz seines eigenen Wesens wird der Mensch seinen Weg gehen.

Doch was sich abgrenzt, tut dies auch um sich vor etwas zu schützen. Vor äußeren Einflüssen, die danach trachten zu zersetzen und alles Gebildete in den stofflichen Kreislauf zurückzuführen. So sind wir durch die Metamorphose (aus dem griech. meta und morphé; „Formwandel“ bedeutend) mit allen lebenden Wesen in enger Verwandtschaft verbunden. Alles was geboren und gedeihen wird, empfängt die dafür nötige Energie und Materie aus Dingen die zerfallen und ihre Energie verlieren. Und die Zeit wird kommen, an der das Gewachsene wieder zerfallen und das Neue speisen wird. Und es ist nicht nur, dass wir dem Zerfall geweiht sind, sobald wir unsere Erfüllung gefunden haben. Die Zähne der Metamorphose nagen schon auf dem Weg hin zu unserer eigenen Verwirklichung an unserem Wesen, an unserem Körpern. Trachten danach uns zu zerlegen, bevor wir unser Ziel erreicht haben.

Einen solchen Schutz vor äußeren Einflüssen, im Folgenden soll es dabei um pathogene Organismen wie Bakterien, Viren oder Parasiten gehen, bietet unser Immunsystem. Dieses Abwehrsystem erkennt die körpereigenen Stoffe aber auch diejenigen, die dem Körper fremd sind und womöglich gefährlich werden könnten. Aufgabe des Immunsystems ist es, diese potentiell gefährlichen Eindringlinge abzuwehren, sei es durch Einfangen, Verspeisen oder Ausstoßen. Dass dieses Abwehrsystem aber nicht immer nur fehlerfrei arbeitet und Körpereigenes dann als fremd ansieht und bekämpft, zeigt die relativ hohe Fallzahl von Autoimmunerkrankungen in unserer heutigen Zeit. Doch das sei anderes Thema.

Ein Immunsystem als Abwehrmechanismus lässt sich aber nicht nur bei dem Menschen finden und es ist auch nicht nur auf Säugetiere, geschweige denn Tiere, beschränkt. Auch Pflanzen besitzen ein Immunsystem, das sie vor Bakterien, Pilzen oder Viren zu schützen versucht. Auch wenn das pflanzliche Immunsystem anders aufgebaut ist als jenes des Menschen und auch anderen Mechanismen folgt, zeigt sich, dass ein komplexer Organismus mit einem Immunsystem bessere Voraussetzungen besitzt, um in der rauen und zersetzenden Natur zu überdauern. Eine spannende Entdeckung machten Mikrobiologen der Universität Genf bei Amöben – einfachen Einzellern, die schon seit Urzeiten auf dem Planeten Erde leben. So stellten sie fest, dass sich bei dem sogenannten Amöben-„Slug“ – wenn sich mehrere Amöben zur Verbesserung ihrer Überlebenschance zu einer Art Minitierchen zusammen schließen – einige wenige von ihnen die Aufgabe der „Wächterzellen“ übernehmen. Diese fangen unerwünschte Eindringlinge mit DNA-Netzen ein oder verschlucken die Erreger und machen sie dadurch unschädlich. Selbst Amöben sind also in der Lage ein Abwehrsystem zu koordinieren, das gewisse Ähnlichkeit zu dem des Menschen zeigt. Und entwickelt hat sich dieses Abwehrsystem der Amöben bereits vor über einer Milliarde Jahre.

Leben mit Infektionserregern

Infektionskrankheiten begleiten den Menschen bereits seit seiner gesamten Entwicklungsgeschichte und hatten auch seit jeher einen starken Einfluss auf die Population des Homo sapiens. Sei dies durch um sich greifende tödlich verlaufende Infektionen oder wie man weiterhin vermutet, dass bestimmte Infektionskrankheiten sich negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit unserer Vorfahren auswirkten. Ein Beispiel: In den Überresten eines vor 500.000 Jahre lebenden Hominiden wurden Spuren des gefährlichen Tuberkoloseerregers gefunden. Wodurch widerlegt werden konnte, dass Tuberkulose eine neuere Erscheinung ist und dem Menschen erst seit dem Neolithikum zugesetzt hat. Und unser naher jedoch ausgestorbene Verwandter der Neandertaler Homo neanderthalensis hatte natürlich ebenso mit Krankheitserregern zu kämpfen wie wir Homo sapiens und dabei zeigen Genanalysen noch etwas weiteres Spannendes auf. Denn dank des genetischen Austauschs mit den Neandertalern konnte wir Menschen unser Spektrum an Abwehrmechanismen gegen pathogene Organismen erweitern und uns so besser gegen Krankheitserreger wappnen.

Durch diese fortdauernde Konfrontation mit den Erregern, konnte sich auf genetischer Ebene ein umfangreiches Wissen über die Abwehr von pathogenen Organismen in unserem Genom etablieren. Und auch in Zukunft wird sich von Generation zu Generation das Immunsystem des Menschen an seine Umgebung anpassen. Der Mensch wird große und schwere Krankheitsausbrüche überdauern und sich mit der Zeit gegen kommende schwere und leichte Endemien durchsetzen. Sollten wir jedoch auch immer Vorsicht walten lassen, da eine Anpassung immer gegenseitig erfolgt und sich die Erreger ebenfalls dahingehend entwickeln werden unsere Abwehrmechanismen zu umgehen.

Infektionskrankheiten in der Antike

In der Zeit des Altertums herrschte die Überzeugung, dass Krankheitserreger aller Art aus dem rissigen Erdboden entweichen und dann über die Luft den Menschen infizieren. So erkannte man in der Antike, dass Malaria vor allem in Sumpfgebieten vorkam und man schloss daraus, dass die im Sumpf aufsteigenden Dämpfe verantwortlich für die Erkrankung sein müssten. Der bedeutende griechische Gelehrte Hippokrates von Kos entwickelte daraus die Miasmenlehre. Er war der Annahme, dass die über die Luft getragenen, krank machenden Erdausdünstungen (Miasmen), sobald aufgenommen zu einer Verunreinigung der Körpersäfte führten und dadurch die gefürchteten Krankheiten auslösten. Der im 15. Jahrhundert lebende italienische Arzt Girolamo Fracastoro versuchte sich an einer Erweiterung dieser Theorie, der Kontagienlehre. Nach ihm waren nicht Miasmen die Ursachen für Infektionen, sondern wurde eine Ansteckung vielmehr durch krankheitsübertragende Keime (seminaria morbi) verursacht. Dabei sah er nicht die Keime im klassischen Sinne, also Mikroorganismen, als Urheber der Erkrankungen an, sondern eine Art Samen, die nach seiner Vorstellung morphologisch den Pflanzensamen glichen.

Aus historischen Recherchen lässt sich erkennen, dass in der Antike Unfälle oder durch Naturkatastrophen bedingte Todesfälle unter der Bevölkerung einen überschaubaren Anteil ausmachten. Viel stärker dagegen war schon damals der Einfluss von Infektionskrankheiten auf die Sterblichkeit der Menschen. Besonders betraf dies Kinder, durch Auszehrung geschwächte und ältere Menschen. Aber auch Erwachsene konnten sich niemals vollkommen sicher vor den häufig todbringenden Infektionskrankheiten fühlen. Gefährlich im mediterranen Raum war damals die Malaria, die durch den Erreger Plasmodium falciparum ausgelöst wurde und heute noch im subtropischen und tropischen Raum wütet. Speziell in Griechenland wurde Malaria für unzählige Todesfälle unter der Bevölkerung verantwortlich gemacht. Weitere Brutstätten dieses parasitären Erregers waren über den gesamten Mittelmeerraum verteilt und führten vereinzelt zu mehreren Tausend Todesfällen.

Aber auch andere verheerende Seuchenausbrüche suchten in der Antike den Menschen mit äußerster Gewalt heim. So ist als Beispiel die Antoninische Pest zu nennen, die entgegen früherer Erkenntnis nicht durch den bakteriellen Pesterreger Yersinia pestis ausgelöst wurde, sondern Masern oder Pockenviren die Krankheit verursachten und in den Jahren 165-185 n. Chr. im gesamten Römischen Reich unter der gesamten Bevölkerung wütete. So gibt es Berichte, dass zeitweise allein in Rom bis zu 2000 Menschen täglich starben. Noch viel gravierender wirkte sich die große Pestwelle auf die europäische Bevölkerung in den Jahren 1347-1352 aus. Schätzungen zufolge kamen in dieser Zeit 25% bis 30% der 100 Mio. Einwohner Europas durch die Pestseuche um. So hat der Menschen Zeit seines Bestehens einen ringenden Kampf mit den Krankheitserregern geführt. Und auch heute noch sind Menschen, wenn auch geographisch stark variierend, von Yersinia pestis (vor allem Madagaskar) und anderen gefährlichen pathogenen Organismen bedroht (Tuberkulose, Cholera, Malaria, Bilharziose etc.).

Gerade die ersten zehn Lebensjahre waren für den Menschen in früheren Zeiten eine gefährliche und tückische Lebensphase. Denn in den jungen Jahren stellten vornehmlich die Krankheiten eine Gefahr dar, die aufgrund hygienischer Mängel in den dichten Siedlungen immer wieder aufflammten. Darunter sind verschiedene Formen der Ruhr, Typhus, Fleckfieber, Hepatitis oder auch der Tuberkulose zu nennen. Die Behandlung einer solchen Erkrankung war zu dieser Zeit medizinisch kaum möglich oder äußerst schwierig und ohne sicheren Heilungserfolg. Einmal erkrankt, war der Weg aus dem Schoß des Todes am ehesten dadurch möglich, dass man zuvor im Leben genug Kraft getankt hatte und den Krankheitsverlauf damit zu überdauern vermochte. Auch konnten pflanzliche Heilmittel und die Fürsorge einer Gemeinschaft einen wichtigen Beitrag zur Genesung leisten. Es scheint schwer zu glauben, dass sich erst im 19. Jahrhundert die Erkenntnis durchsetzte, dass die im Absatz genannten Krankheiten am ehesten durch hohe hygienische Standards vermeiden ließen.

Weg ins antibiotische Zeitalter

Die Ernährung spielte damals wie auch noch heute eine bedeutende Rolle bei einer infektiösen Erkrankung und dem dadurch zu überdauernden Krankheitsprozess. Die damals in der Antike weit verbreitete nutritive Unterversorgung unter der Bevölkerung machte es den Krankheitserregern ein leichtes die geschwächten Körper zu befallen, sich in ihnen festzusetzen und zu vermehren, was nicht selten dann zum Tode führte. So wurde in der Antike schätzungsweise 80-90% des täglichen Arbeitsaufwandes dazu verwendet, um sich mit Nahrung zu versorgen. Eine Fehlernte oder ein Arbeitsausfall konnten damit schnell eine ausgeprägte Mangelernährung herbei führen, die dann häufig die ernste Gefahr einer bedrohlichen Infektionen nach sich zog.

Neben der Erkenntnis, dass eine gute alimentäre Versorgung der Menschen zu einer gestärkten Robustheit gegenüber pathogener Organismen führt, entwickelte sich ab dem 17. Jahrhundert auch die Erkenntnis, dass es sich bei den krankheitsauslösenden Ursachen um Kleinstlebewesen handeln müsse. Erstmals beschrieb der niederländische Tuchhändler und Gelehrte van Leeuwenhoek Bakterien und Einzeller, die er von Zahnbelag oder Heuaufgüssen isolierte und unter seinem selbstgebauten Mikroskop beobachten konnte. Damit war der Blick in den Mikrokosmos geschärft, doch wurden diese anfänglichen Beobachtungen nicht mit der Entstehung von Krankheiten in Zusammenhang gesetzt, da in dieser Zeit noch die Theorie der Urzeugung – Materie entsteht spontan aus unbelebter, toter Materie – vorherrschte.

Die ersten Zweifel an der Theorie der Urzeugung keimten ab dem Ende des 18. Jahrhunderts langsam auf. Der Italiener Lazzaro Spallanzani stellte bei seinen Untersuchungen fest, dass die Mikroben eben dann nicht in flüssigen Medien entstehen, wenn die Flüssigkeit zuvor abgekocht wurde. Louis Pasteur, der mit seinen Arbeiten zur Gärung und Sterilisation Bekanntheit erlangte, sorgte dafür, dass die jungen Erkenntnisse über Mikroorganismen in wissenschaftlichen Kreisen Akzeptanz fanden. Doch erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts konnte durch Robert Koch zweifelsfrei der Zusammenhang zwischen einem Bakterium als Erreger und dem Ausbruch einer Krankheit bei einem Menschen beschrieben werden – am Beispiel des Milzbranderregers Bacillus anthracis. Ab diesem Zeitpunkt entwickelte sich das Wissen über Bakterien, Hefen und Pilzen rasant weiter und ihre Pathogenität wurde mehr und mehr durchleuchtet. Bis schließlich im 20. Jahrhundert auch Viren erstmals nachgewiesen und als besondere Daseinsform beschrieben werden konnten. Heute sind uns zahlreiche Viren und ihre Gefährlichkeit für den Menschen bekannt.

Eine noch wichtigere Entdeckung als die von Robert Koch machte der schottische Mikrobiologe Alexander Fleming als er die bakterienabtötende Wirkung eines bei seinen Versuchen entdeckten Pilzes beobachten konnte. Er stellte fest, dass dieser Pilz eine Substanz in seinem Stoffwechsel produziert, die auf eine Reihe von Bakterien abtötend wirkt, jedoch für die weißen Blutkörperchen des Menschen nicht schädlich war. Fleming nannte diese Substanz Penicillin. Das erste Antibiotikum war entdeckt und die Menschheit begann sich von der präantibiotischen Zeit zu lösen. Denn in all den Jahrhunderten und Jahrtausenden zuvor konnte jeder Schnitt in die Haut – sei dies beim Rasieren, im Garten oder in der Küche – eine lebensgefährliche Blutvergiftung durch Bakterien nach sich ziehen.

In den folgenden Jahrzehnten wurden weitere antibiotische Wirkstoffe entdeckt und nutzbar gemacht. Und auch heute noch werden neue antibiotisch wirksame Substanzen in der Substanzschatzkammer der Natur gefunden. Die Medizin sah sich in den Pionierjahren der Antibiotikaforschung als Sieger im Kampf gegen die Mikroben. Auch weil die medizinische Wunderentdeckung zu einer drastischen Reduktion der infektionsbedingten Mortalität beitrug, was sich auch auf einen Rückgang in der Kindersterblichkeit bemerkbar machte. Neben der Therapie mit Antibiotika und der verbesserten Hygiene und Kinderheilkunde konnte die Kindersterblichkeit in der Schweiz von 210 pro 1000 Geburten im Jahr 1870 auf heute etwa 4 pro 1000 Geburten gesenkt werden.

Phytotherapeutische Unterstützung antibiotischer Therapien

Doch der Kampf war nie ganz gewonnen und in den letzten Jahren steigt die Zahl der Fälle, bei der Menschen an Infektionen durch antibiotikaresistente Bakterien sterben. „Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) und die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) haben basierend auf Zahlen, die im Jahr 2007 erhoben wurden, geschätzt, dass in Europa 25.000 Todesfälle im Jahr auf Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern zurückzuführen sind.“

Die bestehenden Möglichkeiten Infektionen durch pathogene Organismen schnell und sicher zu behandeln werden durch die Resistenzbildungen in Zukunft erschwert und die Medizin vor neue Herausforderung stellen. Aus diesem Grund scheint es wichtig die Naturstoffforschung intensiver in das Themenfeld der Infektionsbehandlung einzubinden. Sei dies durch die Suche nach neuen antibiotischen Substanzen aus natürlichen Quellen (Pflanzen, Bakterien, Pilze) oder auch durch Ermittlung von Synergieeffekten zwischen pflanzliche Naturstoffe und sicheren Antibiotika, so dass bestehende Therapien durch pflanzliche Mittel verbessert werden können.

Die in den nördlichen und nordöstlichen Savannen von Brasilien wild wachsende Verbenenart Lippia gracilis, die als Küchenkraut wie auch als Heilpflanze zur Behandlung von Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts, der Atemwege und der Haut traditionell Verwendung findet, wurde von der Wissenschaftlerin Vanessa de Carvalho Nilo Bitu und ihrem Team hinsichtlich ihrer Wirkung auf pathogene Organismen untersucht. Dabei konnten sie feststellen, dass das in den Blättern enthaltene ätherische Öl eine signifikante Wirkung gegen ausgesuchte Bakterien und Pilze besitzt. In einer weiteren Forschungsarbeit konnte brasilianische Wissenschaftler um Helenicy N.H. Veras, Fabíola F.G. Rodrigues und Aracélio V. Colares feststellen, dass die in dem ätherischen Öl enthaltenen Wirkstoffe (v.a. Thymol und Carvacrol) den Einstrom von Antibiotika in das bakterielle Cytoplasma verstärken. Dieser Mechanismus ist aus dem Grunde bedeutsam, da Bakterien natürlicherweise spezielle Membranenpumpen besitzen, mit denen sie in der Lage sind Zellgifte – die sie unter Umständen selbst bilden und gegen ihre Feinde einsetzen – aus ihrem Zellinneren zu befördern. Die Arbeit von Bitu zeigt, dass ätherische Ölkomponenten in der Lage sind die Fähigkeit der Bakterien zur Zellgiftentsorgung drastisch zu stören und damit eine sinnvolle Therapieerweiterung bei der Behandlung mit Antibiotika darstellen.

Eine andere Stoffklasse, die Einfluss auf die Sensitivität von Bakterien gegen Antibiotika zeigt, sind die Saponine. Bei den Saponinen handelt es sich um gykosidische Verbindungen, die neben verschiedenen Zuckergruppen auch lipophile Gruppen in Form von Steroiden, Triterpenen oder steroiden Alkaloide in ihren Molekülstrukturen tragen. In Pflanzen sind diese Saponine weit verbreitet und liegen in manchen Arten mit Gehalten von bis zu 30% vor. Sie dienen den Pflanzen als Schutz gegen Infektionen durch Bakterien und Pilze. Eine Arbeitsgruppe um Sebastian Schmidt konnte nachweisen, dass eine adjuvante Behandlung mit Süßholzextrakten die Empfindlichkeit von Vancomycin-resistenten Enterobakterien gegen bestimmte Antibiotika erhöht. Die Saponine scheinen einen ähnlichen Mechanismus zu besitzen, wie die der ätherischen Ölkomponenten, in dem sie die cytosolische Belastung der Bakterien durch die antibiotischen Substanzen verstärken. Bei der Behandlung von oberflächlichen Wundinfektionen scheint eine Kombination von Glycyrrhizinsäure mit Gentamicin eine vorhandene Vancomycin-Resistenz bei Enterokokken überwinden zu können.

Ebenfalls als äußerst problematisch in unserer heutigen Zeit wird Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus (MRSA) angesehen, ein Bakterium aus der Gattung der Staphylokokken, das seit den 1960er Jahren verstärkt auftritt und speziell als „Krankenhauskeim“ weltweit für Unruhe sorgt. Bereits vor über 100 Jahren stellte man fest, dass Grüner Tee das Wachstum verschiedener Bakterien behindern kann. Seit einiger Zeit ist zudem bekannt, dass bestimmte Inhaltsstoffe der Teeblätter extrahiert die Wirkung schon fast abgeschriebener Antibiotika erneuern können. So kommt es durch den Extrakt zu einer Hemmung bestimmter Genabschnitte in dem Bakterium, welche für die Bildung Penicillin-bindender Proteine wichtig sind. Zudem konnte gezeigt werden, dass die von den Bakterien gebildeten β-Laktamasen durch den Extrakt in ihrer Aktivität gehemmt werden. Zwei wichtige Mechanismen der Resistenzfähigkeit von Bakterien können so entscheidend gestört werden.

Es lässt sich diese Aufzählung noch beliebig weiterführen. In Europa uns gut bekannte und auch uns exotische Pflanzen bieten eine reichhaltigen Schatz an Substanzen, die unsere antibiotischen Behandlungsformen wieder durchsetzungsfähiger machen können. Speziell synergetische Effekte von pflanzlichen Naturstoffen mit medizinisch verwendeten Antibiotika scheinen für eine tiefergehende Forschung interessant zu sein. Es lässt sich festhalten, dass unser Kampf gegen pathogene Organismen niemals ein Ende finden wird. Doch Pflanzen können uns ein wichtiger Verbündeter sein, wenn es darum geht, sich gegen die Macht der Mikroben zu behaupten. Wir sollten niemals vergessen, dass Pflanzen uns seit jeher auf unserem Weg über die Pfade dieser Erde begleitet haben. Und nur mit ihrer Hilfe werden wir uns gegen die Zähne der Metamorphose zu Wehr setzen können, um uns in unserem individuellen Schicksal verwirklichen zu können.


Zum Weiterlesen:

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Autor: narunge

Aufgewachsen im trostlosen, grauen Berlin-Wedding. Sehnsucht nach Schönheit und Reinheit der Natur. Was unsere Nahrung im Innersten zusammenhält. Vielfalt der pflanzlichen Heilmittel. Welcher Geist durchströmt die Pflanzenwelt. O König der Kephallenier!

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